Verschieberegal: Platzgewinn, Kosten und Sicherheitsanforderungen

Ein Verschieberegal steht auf fahrbaren Wagen und öffnet immer nur den Gang, den Sie gerade brauchen. Fast alle festen Gänge fallen weg: Hersteller nennen 75 bis 100 % mehr Stellplätze auf gleicher Fläche, teils auch mehr, unser Rechenbeispiel kommt je nach Hallenbreite auf 50 bis 86 %. Der Stellplatz kostet laut Industrie-Fachwissen knapp das Doppelte eines statischen Palettenregals. Dazu kommen Bodenarbeiten, denn die Schienen werden meist in den Hallenboden eingelassen.

Kurz zusammengefasst (Stand 11/2026)

  • Die DGUV Regel 108-007 gilt nicht mehr. Die DGUV Information 208-061 senkt die Grenze für reinen Handschub von 2.000 auf 1.000 kg Nutzlast je Einheit.
  • Kraftbetriebene Anlagen brauchen Not-Halt und Personenschutz im Gang, der Nachlauf darf höchstens 100 mm betragen.
  • Jeder Gangwechsel kostet Zeit: Bei rund 4 m/min dauert das Öffnen eines 3,2 m breiten Gangs rechnerisch 48 Sekunden.
  • Zwei Datenblätter gebrauchter Anlagen kommen auf rund 1,35 und 5 t/m² Wagenfläche (500 und 1.000 kg je Palette). Maßgeblich sind die Radlasten, deshalb klären Sie Stützenraster und Boden vor den Angeboten.
  • Ab mehr als 7,5 m Lagerguthöhe nennt die Muster-Industriebaurichtlinie selbsttätige Feuerlöschanlagen. Das kann schon mit fünf Ebenen eintreten.
  • Bei durchschnittlicher Logistikmiete zahlt sich die Flächenersparnis im Beispiel nach rund 7 bis 23 Jahren aus, wenn Sie Boden und Instandhaltung mitrechnen. Es rechnet sich vor allem, wenn keine Fläche mehr zu haben ist oder jeder Kubikmeter gekühlt wird.

Was ist ein Verschieberegal?

Ein Verschieberegal, auch verfahrbares Regal oder Verfahrregal genannt, ist ein Regalblock auf Wagen, die auf Schienen seitlich fahren, sodass die Regalzeilen dicht an dicht stehen und nur an einer Stelle ein Gang offen ist. Dort lagern Sie ein oder entnehmen, jede einzelne Palette bleibt erreichbar, aber nicht alle gleichzeitig.

Auf den Wagen sitzt ein normales Regal, meist ein Palettenregal, ansonsten Fachboden- oder Kragarmregal. Damit gelten die üblichen Regeln zu Fachlasten und Aufbau, ergänzt um Anforderungen an Fahrwerk und Steuerung. Einen Überblick über die anderen Systeme bietet der Ratgeber Lagerregale und Lagertechnik: Systeme, Tragfähigkeit und Sicherheit im Überblick.

Wie funktioniert ein Verschieberegal?

Ein Verschieberegal fährt auf Anforderung so auseinander, dass genau ein Gang entsteht, und sichert ihn gegen weitere Bewegung. Bei einer kraftbetriebenen Palettenanlage läuft das typischerweise in vier Schritten ab:

  1. Sie wählen den Gang am Bedienpult, per Fernsteuerung oder über das Lagerverwaltungssystem (WMS).
  2. Die Anlage prüft Freigabe und Schutzeinrichtungen. Die Lichtschranken am Gangzugang dürfen nicht ausgelöst sein.
  3. Die Wagen fahren, bis der Gang offen ist. Bei Handschub und Kurbel bewegen Sie die Wagen selbst.
  4. Der offene Gang bleibt gesichert: Betritt jemand ihn, stoppen Fahrbewegungen, und die Anlage muss zurückgesetzt werden.
Vorteile Nachteile
Deutlich mehr Stellplätze auf gleicher Fläche Höherer Stellplatzpreis, dazu Bodenarbeiten
Jede Palette bleibt einzeln erreichbar, anders als beim Einfahrregal Im Regelfall nur ein Gang offen, Wartezeit beim Wechsel
Kleineres Volumen zu kühlen, Betrieb laut stow und SSI Schäfer bis −30 °C Technik, die gewartet werden muss, und Abhängigkeit von Stromversorgung und Steuerung

Wie viel Platz spart ein Verschieberegal?

Ein Verschieberegal spart nach Herstellerangaben 40 bis 50 % Fläche oder bringt 75 bis 100 % mehr Stellplätze, oft als Bis-zu-Werte. Der tatsächliche Gewinn hängt vor allem von Hallenbreite und Arbeitsgangbreite des Staplers ab.

Quelle Kapazitätsgewinn Flächenersparnis
BITO, Broschüre 2023 ca. 75 % ca. 40 %
SSI Schäfer, Broschüre 02/2021 2.304 statt 1.152 Plätze auf 625 m² (100 %); werblich „bis zu 90 %“ 353 statt 625 m² bei 1.152 Plätzen (44 %)
stow, AR Racking (Webseiten, Abruf 11/2026) „bis zu 90 %“, „bis zu 95 %“ keine Angabe
TRAFÖ (Webseite, Abruf 11/2026) „bis zu 90 %“ „rund 50 %“

Die Rechnung am Beispiel

Die folgende Rechnung ist eine eigene Beispielrechnung. Annahmen: Europaletten, Einzelzeile 1,2 m und Doppelzeile 2,5 m ab Palettenfront, Fahrwagen 2,7 m breit, Arbeitsgang 3,2 m (ein Wert im Bereich von Schubmaststaplern, Frontstapler brauchen meist mehr; maßgeblich ist das Datenblatt), 10 Felder mit je 3 Paletten, 5 Ebenen, also 150 Paletten je Zeile. Stützen und Wandabstände sind nicht eingerechnet.

Lichte Hallenbreite Statisch: Zeilen (Gänge) Verschieberegal: Zeilen (Wagen) Stellplätze mobil statt statisch Gewinn
12 m 4 (2) 6 (2) 900 statt 600 50 %
23 m 8 (4), Breite 22,7 m 14 (6), Breite 21,8 m 2.100 statt 1.200 75 %
40 m 14 (7) 26 (12) 3.900 statt 2.100 86 %

Die 75 % im mittleren Fall gelten für das Regalfeld. Querwege vor Kopf bleiben in beiden Varianten gleich. Sie ändern nicht den Kapazitätsgewinn, aber sie verkleinern die prozentuale Flächenersparnis auf die Gesamthalle. Gleichzeitig erreichbar sind im Beispiel nur die zwei Zeilen am offenen Gang, also 300 von 2.100 Paletten.

Grundrissvergleich bei 23 m Hallenbreite: 8 Regalzeilen und 4 Gänge im statischen Palettenregal gegen 14 Regalzeilen auf 6 Fahrwagen und 2 festen Einzelzeilen mit 1 offenen Gang im Verschieberegal
Eigene Beispielrechnung: 23 m Hallenbreite, Stützen und Wandabstände nicht dargestellt.

Wie lange dauert ein Gangwechsel?

Ein Gangwechsel dauert laut AR Racking meist unter einer Minute, die Wagen fahren dort mit etwa 4 m/min. Für 3,2 m Gangbreite sind das rechnerisch 48 Sekunden, dazu kommen Freigabe und Anfahren, und laut AR Racking hängt die Zeit auch davon ab, wie viele Wagen fahren müssen. Die Tabelle ist daher eine Untergrenze.

Gangwechsel pro Stunde und Block Fahrzeit der Anlage Anteil an der Stunde
5 4 min 7 %
15 12 min 20 %
30 24 min 40 %

Bei 30 Wechseln pro Stunde bleiben pro Spiel 120 Sekunden, davon gingen 48 Sekunden in die Gangöffnung. Für Anfahrt, Heben, Ein- oder Auslagern und Rückweg bleibt dann wenig Zeit. Unsere Faustregel: Ab etwa 15 Wechseln pro Stunde und Block, also rund einem Fünftel der Stunde in Fahrzeit, sollten Sie den Betrieb genau simulieren.

Die Fahrzeit wird nicht immer zur Wartezeit. Jungheinrich beschreibt eine WMS-Anbindung, bei der sich der Gang schon während der Anfahrt öffnet. Die Zahl der Wechsel senken Sie, indem Sie Schnelldreher in wenigen benachbarten Zeilen bündeln und Ein- und Auslagerung als Doppelspiel fahren.

Ein zweiter Stapler im selben Block hilft wenig, weil beide auf denselben Gang angewiesen sind. AR Racking bietet einen Mehrgang-Modus mit mehreren schmaleren Gängen an und nennt selbst die Kehrseite: Die Verdichtung sinkt, und bei zwei Staplern können zwei Blöcke nötig werden.

Was kostet ein Verschieberegal?

Ein neues Verschieberegal kostet laut Industrie-Fachwissen (Stand 05/2026) 150 bis 350 € pro Stellplatz netto, ein Mehrplatz-Palettenregal 80 bis 180 €. Die Seite nennt für diese Preisrahmen keine Quelle, eine unabhängige Preiserhebung haben wir nicht gefunden. Rechnen Sie die Zahlen also als Orientierung, nicht als Angebot.

Die Montage liegt nach derselben Seite bei 15 bis 25 % der Materialkosten, die Instandhaltung bei Palettenregalen bei 2 bis 5 % der Anschaffungskosten im Jahr. Ein Partnerbeitrag desselben Portals (mit SCHULTE Lagertechnik, 02/2026) nennt ähnliche 150 bis 300 €. Tiefbau und Schienen sind damit nicht abgedeckt: AR Racking schreibt, dass der Tiefbau beim Kunden oder einem Fachunternehmen liegt. Bei kleinen Anlagen verteilen sich Wagen, Antrieb und Steuerung auf wenige Plätze, dort führt ein pauschaler Stellplatzpreis in die Irre.

Rechnet sich das? Gleiche Kapazität vergleichen

Rein über die Fläche rechnet es sich bei durchschnittlicher Miete erst nach Jahren, im Beispiel mit Boden und Instandhaltung nach rund 7 bis 23. Vergleichen Sie dafür zwei Lager mit gleicher Stellplatzzahl. Für 2.100 Plätze aus dem Beispiel mit 23 m Hallenbreite und einem Regalfeld von 23 × 28 m:

  • Statisch: 168.000 bis 378.000 €, Verschieberegal: 315.000 bis 735.000 €. Mehrkosten ohne Montage: 147.000 bis 357.000 €.
  • Mit Montage (15 bzw. 25 %): rund 169.000 bis 446.000 €.
  • Eingesparte Fläche: statisch bräuchten die 900 zusätzlichen Plätze rund 483 m².
  • Mehrkosten je eingespartem Quadratmeter: rund 350 bis 925 €.

Diesen Wert vergleichen Sie mit Ihrer Alternative. Bei Miete zeigt die Tabelle die Laufzeit, bei einem Neubau setzen Sie die Baukosten je Quadratmeter direkt gegen die 350 bis 925 €.

Miete je m² und Monat (BNP Paribas Real Estate, Stand 30.06.2026) Amortisation allein über die Fläche
5,70 € (Spitzenmiete Leipzig) rund 5 bis 14 Jahre
7,20 € (Durchschnittsmiete Top-Märkte) rund 4 bis 11 Jahre
11,25 € (Spitzenmiete München) rund 3 bis 7 Jahre

Nicht eingerechnet sind Boden, Wartung, Zinsen und eine eventuell nötige Löschanlage, die gegen das Verschieberegal laufen, sowie Nebenkosten und längere Wege der größeren Fläche, die dafür sprechen. Je 50 € Bodenkosten pro Platz (eine reine Rechengröße) kommen im Beispiel 105.000 € oder rund 217 €/m² dazu. Setzt man die 2 bis 5 % Instandhaltung auch beim Verschieberegal an, kostet es im Jahr rund 3.000 bis 18.000 € mehr, das sind 6 bis 37 € je eingespartem Quadratmeter. Mit 50 € Bodenkosten je Platz und dieser Instandhaltung verlängert sich die Laufzeit bei 7,20 € Miete auf rund 7 bis 23 Jahre. Stow nennt 15 bis 20 Jahre Lebensdauer, das obere Ende reicht also darüber hinaus.

Gebraucht kaufen: was die Einzelbeispiele zeigen

Gebrauchte Anlagen wirken günstig, sind aber kein Marktpreis: Ein Händler nannte für 964 Stellplätze (Baujahr 2006) 39.500 € netto, rund 41 € je Platz, und für 2.552 Stellplätze (Baujahr 2012, verkauft, Abgrenzung zum festen Anlagenteil offen) 79.500 €, rund 31 € je Platz. Beide Preise gelten ab Standort, ohne Demontage, Transport, Boden und Sicherheitsüberprüfung.

Klären Sie vorab, ob Betriebsanleitung und Unterlagen vollständig sind und ob die Sicherheitstechnik zur aktuellen DGUV Information passt. Eine Prüfung vor der ersten Verwendung schreibt § 14 Abs. 1 BetrSichV ohnehin vor, und in den Boden eingelassene Schienen müssen Sie in der Regel neu verlegen. Wer eine Anlage mit neuer Sicherheitstechnik nachrüstet, kann eine wesentliche Veränderung auslösen und damit Herstellerpflichten übernehmen. Klären Sie deshalb, wer die Konformitätserklärung ausstellt.

Welche Voraussetzungen muss die Halle erfüllen?

Die Halle muss in Fahrrichtung stützenfrei sein, sonst teilt sich der Block. Stützen kosten Stellplätze, denn zu Wandvorsprüngen und benachbarten Einrichtungen gelten mindestens 0,5 m Abstand, sofern keine besonderen Schutzeinrichtungen vorhanden sind (DGUV Information 208-061, Abschnitt 4.3.5.8).

Prüfen Sie am Hallenplan, wie Stützenraster, Tore, Rinnen, Bodeneinläufe sowie Dehn- und Scheinfugen zu den Schienen liegen. Dazu gehören die Frage, wie der Strom zu den Wagen kommt, und die Beleuchtung: Weil der offene Gang wandert, leuchtet eine für feste Gänge geplante Decke ihn nicht überall aus. Lagereinrichtungen müssen ausreichend und blendfrei beleuchtet sein (DGUV Information 208-061, Abschnitt 4.2.9.4), die Mindestwerte nennt die ASR A3.4.

Welche Anforderungen gelten für den Hallenboden?

Der Hallenboden muss vor dem Aufstellen nachweislich tragfähig sein (DGUV Information 208-061, Abschnitt 4.1.2.6). Beim Verschieberegal laufen große Lasten über wenige Schienen, deshalb gehört der Statiker vor dem Angebot an den Tisch.

Wie groß die Lasten werden, zeigen zwei Datenblätter gebrauchter Anlagen: 108,5 t je Wagen bei 28,7 × 2,8 m und 500 kg je Palette, also rund 1,35 t/m² oder 3,8 t je Wagenmeter, und 540 t je Wagen bei 39,4 × 2,7 m und 1.000 kg je Palette, also rund 5 t/m² oder 13,7 t je Wagenmeter. Das sind Höchstlasten, keine Mittelwerte. Für die Bemessung zählen die Radlasten, nicht diese Flächenwerte. SSI Schäfer berichtet in einem Referenzprojekt von bis zu 320 t je Wagen.

Fragen Sie den Hersteller nach Radlast, Radabstand, Schienenraster und zulässiger Verformung, und geben Sie das dem Statiker. Für Ihr Projekt setzen Sie die Wagenlast aus Palettenzahl, Palettengewicht und Eigenlast von Regal und Wagen an. Im Beispiel trägt ein Wagen 300 Paletten: Bei 1 t je Palette sind das 300 t Nutzlast, mehr als 10,7 t je Wagenmeter vor Eigenlast.

Die Schienen müssen fußbodenbündig liegen, oder im gesamten Regalbereich braucht es Ausgleichsböden mit angeschrägten oder deutlich gekennzeichneten Absätzen (Abschnitt 4.3.5.2). SSI Schäfer beschreibt Einbauvarianten für bestehende Böden in Ausfräsungen sowie für Neubauten. Für leichte Lasten bietet SSI Schäfer schienenlose Systeme mit Kurbelantrieb an, bei denen der bestehende Boden laut Broschüre nicht verändert werden muss.

AR Racking nennt die Ebenheit als Bodenthema, und die DGUV verlangt den Ausgleich von Bodenunebenheiten (Abschnitt 4.3.5.3). Besonders heikel ist Nachrüsten im bestehenden Tiefkühllager: Unter der Nutzschicht liegen dort oft Dämmung, Dampfsperre und eine Heizung gegen Unterfrieren, und jede Fräsung kann diese Schichten treffen. Klären Sie den Schichtaufbau, bevor Sie rechnen.

Welche Sicherheitsanforderungen gelten?

Verschieberegale dürfen bis 1.000 kg je Einheit von Hand geschoben werden, über 5.000 kg ist Kraftantrieb Pflicht, und kraftbetriebene Anlagen brauchen Not-Halt und Personenschutz. So steht es in der DGUV Information 208-061 (Ausgabe 11/2023, aktualisiert 07/2024). Sie ist kein Gesetz, verbindlich sind Arbeitsschutzgesetz und BetrSichV über Ihre Gefährdungsbeurteilung. Weichen Sie ab, sollten Sie in der Gefährdungsbeurteilung begründen können, warum Ihre Lösung gleichwertig ist.

Thema Heute: DGUV Information 208-061 Früher: DGUV Regel 108-007 (09/2006, zurückgezogen)
Handschub bis 1.000 kg Nutzlast je Einheit bis 2.000 kg je Einheit
Mechanisch unterstützt (z. B. Kurbel mit Kette) oder Kraftantrieb über 1.000 bis 5.000 kg über 2.000 bis 5.000 kg
Kraftantrieb Pflicht über 5.000 kg über 5.000 kg
Bodenabstand Unterkante Wagen höchstens 15 mm bei Handbeladung oder im Büro und Archiv, 30 mm bei mechanischer Beladung 15 mm bis 2.000 kg Feldlast, darüber 30 mm
Abstand zu ebenen Wänden 50 bis 180 mm 120 bis 180 mm

Bei Handschub darf der gesamte Regalblock nur zwischen 0,75 m und 1,00 m verfahrbar sein. Zwischen festen Kanten benachbarter Einheiten bleiben mindestens 25 mm gegen Fingerquetschungen, zur Decke mindestens 100 mm, wenn dort Quetsch- und Scherstellen entstehen können.

Was gilt für Bestandsanlagen?

Für eine vorhandene Handschubanlage zwischen 1.000 und 2.000 kg je Einheit nennen die Abschnitte 4 bis 6 der 208-061 keine ausdrückliche Übergangsregel. Nach unserer Lesart heißt das nicht automatisch Stilllegung. Sie müssen die Abweichung aber in der Gefährdungsbeurteilung bewerten, begründen und dokumentieren. Im Zweifel fragen Sie die Aufsichtsperson Ihrer Berufsgenossenschaft. Das ersetzt keine Rechtsberatung.

Standsicherheit und Kippen

Liegt die oberste Ablage höher als das Fünffache des Radachsenabstands, braucht das Regal eine Sicherung gegen Kippen, die das rechnerische Kippmoment mit mindestens zweifacher Sicherheit aufnimmt (Abschnitt 4.3.5.1). Bei angenommen 1,8 m Radachsenabstand liegt diese Grenze bei 9 m. Gegen Radbruch brauchen die Wagen konstruktive Maßnahmen wie Radbruchstützen.

Die zulässigen Fach- und Feldlasten müssen dauerhaft angebracht sein. Der Ratgeber Fachlast und Feldlast: So lesen Sie das Belastungsschild am Regal erklärt, wie Sie diese Angaben richtig lesen. An den ortsfesten Endregalen brauchen die Ecken wie sonst auch einen Anfahrschutz, ausgenommen sind deren Innenseiten.

Schutzeinrichtungen bei Kraftantrieb

Kraftbetriebene Verschieberegale brauchen einen Not-Halt mit Sicht auf die Zugänge und Schutzeinrichtungen an beiden Längsseiten des Fahrwerks im Fußbereich. Nach dem Auslösen darf die Anlage höchstens 100 mm nachlaufen und nicht von selbst wieder anlaufen (Abschnitt 4.3.5.10).

Vorgeschrieben sind Schaltleisten, die rot-weiß gekennzeichnet sein müssen, oder berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen. Bei verfahrbaren Palettenregalen muss zusätzlich der Zugang in den Gang gesichert sein, etwa durch Lichtschranken. Zurückgesetzt wird nur neben dem offenen Gang und mit voller Einsicht hinein. Von diesen Schutzeinrichtungen ausgenommen sind Regale, die sich mit höchstens 500 N stoppen lassen, beim Not-Halt gilt die Ausnahme nur für Fachbodenregale.

Ein einziger Not-Halt-Taster genügt bei Palettenregalen nur mit Stopp-Taster an jeder Einheit und unter 20 m Ganglänge, über 25 m Blockbreite braucht es weitere Taster. Das Beispiel mit 28 m Ganglänge fällt also nicht unter diese Vereinfachung.

Für den Hersteller gilt bei Kraftantrieb die 9. ProdSV, die Norm DIN EN 15095:2009-06 ist der übliche Weg zum Nachweis. Handbetriebene Anlagen schließt die Norm aus. Enthält DIN EN 15095 abweichende Anforderungen, sind laut Abschnitt 4 der 208-061 diese maßgeblich, lassen Sie sich daher das Regelwerk der Schutzeinrichtungen im Angebot bestätigen. Am 20. Januar 2027 wird die Maschinenrichtlinie durch die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 abgelöst. Maßgeblich ist nach unserem Verständnis nicht das Bestelldatum, sondern wann die Anlage in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen wird. Bei Lieferung ab 2027 lassen Sie sich die Rechtsgrundlage der Konformitätserklärung im Vertrag bestätigen. Für Kühlhaus und Außenbetrieb verlangt die Norm eine zusätzliche Gefährdungsanalyse.

Regeln für den Betrieb

Die Anlage in Gang setzen dürfen nur beauftragte und unterwiesene Personen, und erst wenn klar ist, dass niemand in den zu schließenden Gängen steht. Be- und entladen wird erst bei ganz geöffnetem Gang (Abschnitt 5.2.2).

Im Störfall dürfen Sie die Wagen nur dann mit anderen Mitteln als dem Antrieb bewegen, wenn Schutz gegen Einquetschen besteht, etwa durch Absperrungen. Klären Sie daher vorab, was bei Stromausfall passiert. Ohne Strom oder Notbetrieb erreichen Sie nur die Paletten am gerade offenen Gang, SSI Schäfer rät dann zum Techniker.

Wie weit müssen Regale auseinander stehen?

Nebengänge für die ausschließliche Be- und Entladung von Hand müssen mindestens 0,75 m breit sein, Verkehrswege für Fußgänger zwischen Lagereinrichtungen 1,25 m (ASR A1.8, Tabelle 2). Fahrwege für Stapler ergeben sich aus Fahrzeug- oder Ladungsbreite plus zweimal 0,50 m, bei gemeinsamem Fußgängerverkehr zweimal 0,75 m, bei Begegnungsverkehr zusätzlich 0,40 m (Tabelle 3).

Der Arbeitsgang zum Ein- und Auslagern ist etwas anderes als der Verkehrsweg und richtet sich nach dem Datenblatt Ihres Staplers. Für verfahrbare Regale nennt die DGUV Information 208-061 keine eigene Gangbreite. Legen Sie sie vor der Wagenzahl fest: Im Beispiel mit 23 m bleiben nach sechs Wagen 1,2 m Reserve, ein späterer Wechsel auf einen breiteren Stapler kann die Rechnung verändern.

Was ist beim Brandschutz zu beachten?

Bei mehr als 7,5 m Lagerguthöhe (Oberkante Lagergut) müssen nach Abschnitt 6.4.2 der Muster-Industriebaurichtlinie, Stand 05/2019, selbsttätige Feuerlöschanlagen angeordnet werden, verbindlich ist die Fassung Ihres Bundeslands. Klären Sie den Brandschutz vor der Bestellung mit Brandschutzplaner und Sachversicherer, denn die Löschanlage kann das Projekt verteuern und ein geschlossener Block verhält sich für Sprinkler anders als offene Regalzeilen.

Über 9,0 m können bei brennbarem Lagergut weitergehende Anforderungen dazukommen (Abschnitt 2). Das betrifft auch unser Beispiel: Nach dem Ratgeber zum Hochregallager liegen fünf Ebenen mit 1,20 m hoher Ladung bei rund 7,00 m, mit 1,40 m bei 8,00 m, jeweils ohne die Wagenhöhe. Die Ladehöhe entscheidet also mit über die Löschanlage.

Sprinklervorgaben stehen in Regelwerken wie VdS CEA 4001 und bei Versicherern wie FM Global, deren Volltexte frei nicht zugänglich sind. Fragen Sie konkret nach, was für verfahrbare Regale gilt und in welche Stellung der Block im Brandfall fährt. SSI Schäfer bietet bewegliche Sprinkleranlagen an, mit flexibler Zuleitung oder Scherengelenken. Auch ausreichend bemessene Flucht- und Rettungswege bleiben Pflicht (DGUV Information 208-061, Abschnitt 4.1.4, mit Verweis auf ASR A2.3 und Landesbaurecht).

Wie oft wird ein Verschieberegal geprüft?

Die Frist legen Sie selbst in der Gefährdungsbeurteilung fest, üblich ist mindestens jährlich durch eine zur Prüfung befähigte Person, dazu Sichtkontrollen wöchentlich oder nach Risikoanalyse (DGUV Information 208-043).

Anlass Rechtsgrundlage
Vor erster Verwendung nach Montage, wenn die Sicherheit von der Montage abhängt § 14 Abs. 1 BetrSichV
Wiederkehrend: Kraftbetriebene Regale gelten laut DGUV immer als Schäden verursachenden Einflüssen ausgesetzt § 14 Abs. 2 BetrSichV, DGUV Information 208-061, Abschnitt 6.1
Nach prüfpflichtigen Änderungen und außergewöhnlichen Ereignissen § 14 Abs. 3 BetrSichV

Zum Ablauf der Regalinspektion nach DIN EN 15635 lesen Sie den Ratgeber Regalprüfung nach DIN EN 15635: Pflicht, Intervalle und Ablauf. Diese Inspektion zielt vor allem auf die Regalstruktur. Beim Verschieberegal kommen Fahrwerk, Schienen, Schutzeinrichtungen, Not-Halt und die elektrische Ausrüstung hinzu (für Elektrik gilt zusätzlich DGUV Vorschrift 3), oft mit einem anderen Prüfer. Dazu kommt die Wartung, für die SSI Schäfer mindestens zweimal im Jahr nennt.

Wann lohnt sich ein Verschieberegal?

Ein Verschieberegal lohnt sich, wenn Fläche knapp oder teuer ist und viele Artikel einzeln zugänglich bleiben müssen, solange die Zahl der Gangwechsel überschaubar bleibt.

Wenn … … dann
Neubau eines Kühl- oder Tiefkühllagers mit vielen Artikeln und ruhigem Umschlag Der Fall ist am ehesten plausibel. AR Racking beschreibt einen Nachtmodus, der für die Kaltluft mehrere schmalere Gänge öffnet. Belastbare Energiezahlen haben wir nicht gefunden, die Ersparnis muss der Anbieter vorrechnen.
Bestehende Halle voll, keine Erweiterung möglich Verschieberegal rechnen, inklusive Boden und Stützenraster
Ab etwa 15 Gangwechseln pro Stunde und Block (unsere Faustregel) Statisches Palettenregal oder zweiten Block rechnen
Wenige Artikel, große Mengen, sortenreine Chargen Einfahrregal oder Durchlaufregal nach dem FIFO-Prinzip prüfen
Archiv, Werkstatt, Ersatzteile mit Handentnahme Verfahrbares Fachbodenregal mit Handschub bis 1.000 kg je Einheit oder Kurbel
Langgut wie Rohre und Profile Verfahrbares Kragarmregal prüfen
Boden nicht geeignet oder Fräsen im laufenden Betrieb unmöglich Erst Gutachten. Für leichte Fachbodenanlagen kommt eine schienenlose Lösung infrage, für Paletten eine andere Bauart
Mietobjekt mit kurzer Restlaufzeit Eher nein: Rückbau, Boden und Amortisation sprechen dagegen

Was muss im Angebot stehen?

Verlangen Sie im Angebot Radlasten, getrennt ausgewiesene Bodenarbeiten und das Schutzkonzept. Die Tabelle dient als Anfrageliste, denn viele dieser Werte stehen in keiner Broschüre.

Punkt Warum
Radlast, Radabstand, Schienenraster, zulässige Verformung, Toleranzen für Ebenheit und Schienenhöhe samt Abnahme Grundlage für den Statiker
Tiefbau, Fräsen, Verguss, Umlagerung und Betriebsunterbrechung getrennt ausgewiesen Größter Unsicherheitsposten im Vergleich zum statischen Regal
Fahrgeschwindigkeit bei voller Wagenlast, Zeit für Nachbargang und weitesten Wechsel Geht direkt in die Umschlagrechnung ein
Steuerung: Fernbedienung, WMS, Mehrgang- und Nachtmodus Entscheidet über die tatsächliche Standzeit
Schutzeinrichtungen und Rücksetzkonzept nach Abschnitt 4.3.5.10 Sicherheit und Abnahme
Konformitätserklärung mit Rechtsgrundlage, Betriebsanleitung, Prüfung vor Inbetriebnahme Stichtag 20.01.2027, § 14 Abs. 1 BetrSichV
Verhalten bei Stromausfall, Betriebsart Wartung und Störung, Notstrom Zugriff auf die Ware im Ausfall
Wartungsvertrag, Reaktionszeit, Ersatzteilverfügbarkeit Ein Ausfall trifft den ganzen Block
Beleuchtung im wandernden Gang, Sprinklerkonzept, Gangstellung im Brandfall Wird bei reiner Regalbestellung gern vergessen

Aus der Praxis

Ein typischer Planungsfehler ist die falsche Reihenfolge: Erst steht das Kapazitätsversprechen aus der Broschüre, erst danach werden Umschlag und Boden gerechnet. Vermeiden lässt sich das so: zuerst Ein- und Auslagerungen pro Stunde und Block ermitteln, dann Stützenraster und Bodentragfähigkeit klären, dann Brandschutz und Fluchtwege abstimmen, erst danach Angebote einholen. Legen Sie auch vorab fest, wie Sie bei Stromausfall an die Ware kommen.

Unsere Einschätzung

Ob sich ein Verschieberegal rechnet, hängt zuerst am Preis der Fläche und erst danach am Regal. Wir empfehlen es für volle Hallen ohne Erweiterungsmöglichkeit und für neue Kühl- und Tiefkühllager, sofern die Gangwechsel überschaubar bleiben und der Anbieter die Energieersparnis vorrechnet. Für ein Trockenlager mit bezahlbarer Mietfläche und hohem Umschlag raten wir ab, dort gewinnt meist das statische Palettenregal oder zusätzliche Fläche. Gebraucht kaufen sollten Sie nur, wenn Unterlagen und Sicherheitstechnik zur aktuellen DGUV Information passen.

Häufige Fragen

Bis zu welchem Gewicht darf man ein Verschieberegal von Hand bewegen?

Von Hand schieben dürfen Sie bis 1.000 kg Nutzlast je verfahrbarer Einheit, und der ganze Block darf dann nur 0,75 bis 1,00 m verfahrbar sein. Darüber bis 5.000 kg brauchen Sie einen mechanisch unterstützenden Antrieb wie eine Kurbel oder einen Kraftantrieb, über 5.000 kg immer einen Kraftantrieb.

Muss auch ein handbetriebenes Verschieberegal geprüft werden?

Ja, wenn es Schäden verursachenden Einflüssen wie Staplerverkehr ausgesetzt ist: Dann prüft es wiederkehrend eine zur Prüfung befähigte Person nach § 14 Abs. 2 BetrSichV. Die Frist und den Umfang legen Sie in der Gefährdungsbeurteilung fest. Eine bloße Sichtkontrolle reicht dafür nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Verschieberegal und Einfahrregal?

Beim Verschieberegal erreichen Sie jede Palette, müssen aber zuvor den passenden Gang öffnen. Beim Einfahrregal erreichen Sie je Kanal nur die vorderste Palette, dafür fährt der Stapler direkt ein. Das Einfahrregal passt deshalb zu wenigen Artikeln in großen Mengen, das Verschieberegal zu vielen Artikeln.

Lässt sich ein bestehendes Palettenregal zum Verschieberegal umbauen?

Ein Umbau geht nur mit dem Hersteller, denn das Regal bekommt andere Lasten durch Anfahren und Abbremsen. In der Regel kommen neue Wagen und Schienen hinzu, und die Standsicherheit muss neu nachgewiesen werden. Wird die Anlage kraftbetrieben, entsteht nach unserer Lesart eine Maschine: Klären Sie vorab, wer die Herstellerrolle und die Konformitätserklärung übernimmt.

Wie lange hält ein Verschieberegal?

Stow nennt für sein System eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Das ist eine Herstellerangabe. Tatsächlich hängt die Nutzungsdauer von Wartung, Umgebung und Schäden am Regal ab.

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung oder Prüfung durch eine befähigte Person.

Quellen

Die Rechenbeispiele beruhen auf den genannten Annahmen und sind eigene Berechnungen. Preise und Kapazitätswerte von Herstellern und Händlern geben deren Angaben wieder, wir haben keine eigenen Tests durchgeführt.

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